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Leider ist in unserer Gesellschaft die Sichtweise der Alkoholabhängigkeit sehr von
angeblicher Willensschwäche geprägt und wird kaum als wirkliche Krankheit
angesehen.
Das Klischee, ein alkoholkranker Mensch lebt total
verwahrlost und ist rund um die Uhr betrunken, ist leider noch sehr verbreitet. In Wirklichkeit leben viele, wenn nicht die meisten
alkoholkranken oder alkoholgefährdeten Menschen noch in intakten Familien,
sofern es der Alkoholkonsum zulässt, gehen einer relativ geregelten Arbeit nach
und wissen oft selbst nicht, dass sie die Schwelle von „normalen trinken“ zur
Alkoholabhängigkeit längst überschritten haben.
Warum wird Alkohol getrunken?
Viele Menschen reden sich selbst ein, glauben fest daran,
dass sie ihr Feierabendbier oder das Glas Wein am Abend wegen dem schönen
Geschmack trinken. Hinterfragt man diese Gedanken, kommen Antworten, die Worte
wie Entspannung oder Abschalten, beinhalten. Alkohol wird also nicht wegen dem
Geschmack, sondern wegen der bewusstseinsverändernden Wirkung getrunken. Durch
Alkohol wird sich aus der realen Welt gestohlen. Die angebliche Hilfe durch Alkohol wird immer dann in Anspruch genommen,
wenn die Gemütsfassung es scheinbar verlangt.
Keiner möchte aber gern ein Alkoholiker sein. Deshalb wird
dem oben beschriebenen Klischee nur allzu gerne glauben geschenkt und man
schaut immer auf die Menschen, die man
sich selbst als alkoholkrank, sofern man es als eine Krankheit sieht, vorstellt
und redet sich ein, so nicht zu sein.
Die Alkoholabhängigkeit macht aber vor keiner
Gesellschaftsschicht halt und jeder, der Alkohol konsumiert, lebt mit dem
Risiko, dass er eines Tages zu der Menschengruppe gehört, die er heute selbst
als alkoholkrank ansieht.
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